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Notaufnahme Tag 1

Nach 60 Tagen Pflegepraktikum auf Station bleibe ich noch zwei Wochen länger, um Praktikum in der Notaufnahme zu machen. Das ist jetzt das vierte Mal, dass ich neu auf eine Station komme und sagen muss: „Hallo, ich bin Lea, ich mache jetzt die nächste Zeit hier ein Praktikum. Ich komme aus Deutschland und studiere Medizin, aber hier mache ich ein Krankenpflegepraktikum. Ja, ich spreche sehr gut Spanisch, weil ich ein Jahr in Madrid gewohnt habe.“ Guten Tag, neue Krankenschwestern, neue Ärzte, neue Räumlichkeit, neue Medikamentenschränke… Nachdem ich mich auf dem Klo umgezogen habe und die Notaufnahme betrete, sehe ich zunächst nur eine holländische Praktikantin, die einen grimmigen Gesichtsausdruck hat und die Karren einräumt. Dann kommt jemand um die Ecke, der wie eine Krankenschwester aussieht. Ich stelle mich vor: „Hallo, ich bin Lea, ich mache jetzt die nächste Zeit hier ein Praktikum. Ich komme aus Deutschland und studiere Medizin, aber hier mache ich ein Krankenpflegepraktikum.“ Die Krankenschwester lächelt, stellt sich vor, gibt mir zwei Küsschen und sagt: „Du sprichst aber gut Spanisch.“ Ich sage: „Ja, ich spreche sehr gut Spanisch, weil ich ein Jahr in Madrid gewohnt habe.“ Die Notaufnahme besteht aus einem Wartesaal, einem Büro (sowohl für Ärzte als auch für Krankenschwestern, in dem aber auch Patienten mit den Ärzten reden können) und fünf Boxen, dass sind Behandlungszimmer, die durch Glasschiebetüren miteinander verbunden sind. Je weiter sich die Boxen vom Büro entfernen, für desto schwierigere Patienten ist die Box eingerichtet. In der ersten Box steht das Elektro, der Defibrillator und ein Beatmungsgerät, in der zweiten Box steht eine fahrbare Kommode mit zwei Schüsseln um Gipsverbände zu machen, in der dritten Box steht eine ebenfalls fahrbare Blutdruckpulsundsauerstoffsättigungsmessstation, in der vierten Box steht nichts besonderes außer dem Bett, das in allen Boxen steht, und in Box fünf stehen schließlich nur zwei Patientensessel und hier ist außerdem der Materialschrank. Es dauert nicht lange, da kommt auch schon der erste Patient. Ein älterer Mann, der von einem Auto angefahren wurde. Die Hälfte seines Körpers besteht aus einem blauen Fleck, er hat sich die Schulter gebrochen und eine Wunde am Arm, die so doll durch den Verband geblutet hat, dass sogar sein Hemd schmutzig geworden ist. Er trägt einen Hut. Zuerst nimmt die Schwester den Verband am Arm ab, um sich die Wunde anzugucken, die nur an den Rändern ein bisschen blutet, aber anscheinend so konstant, dass es durch alles durchgesuppt ist. Ihm fehlt ein großes Stück Haut, aber die Wunde sieht gut aus. Wir machen einen Druckverband, in der Hoffnung, das Blut davon überzeugen zu können, im Patienten zu bleiben, und nehmen ihm am anderen Arm welches ab. Wie sich eine halbe Stunde später herausstellt, hat er nur noch ein Hämoglobin von 7 und bekommt eine Bluttransfusion, wird aber davor auf Station verlegt. Den Hut hatte er übrigens auf, um einen riesigen Schorf zu verstecken. Der muss wohl auch beim Unfall entstanden sein. Ich lege heute eine Flexüle in eine sehr große Vene, die kräftig blutet als ich die Nadel gegen eine Spritze zum Blut abnehmen tauschen will, versage bei einer anderen Flexüle aufgrund einer zu bewegungsfreudigen Vene und spritze meine erste intramuskuläre Spritze. Hochstätter Dreieck oder so hieß das doch? Da kamen die Finger irgendwo hin – die Schwester sagt mir, das ist Quatsch, ich soll einfach ins obere äußere Viertel der Pobacke stechen, auf Höhe der Poritze, und dann geht das schon gut. Es ist auch nicht schwerer als Clexane, man muss nur an das Aspirieren denken, um sicher zu gehen, dass man kein Gefäß getroffen hat. Die Schwester hat eine interessante Methode: Sie hat nur die Nadel in der Hand, klopft zweimal kräftig auf die Stelle am Po, in die sie stechen möchte und sticht dann, während der Po immer noch vom Beklopft werden irritiert ist, die Nadel in ihn hinein. Erst danach steckt sie die Spritze in die Nadel. Die Patientin, der sie jetzt die Spritze gibt, bestätigt mir, dass es nicht wehgetan hat. Heute sehe ich, wie zwei Gipsverbände gemacht werden, einer für den Fuß und einer für die Hand. Das ist gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte, eigentlich nimmt man nur einen Stapel Gipsplatten (13), macht sie nass und legt sie auf die Extremität, die man geradehalten möchte. Dann bindet man sie fest. Der Gips geht dabei nicht um das ganze Bein, sondern nur um eine Hälfte des Beins. Danach umwickelt man den Gips mit Mullbinde und voila! So kann das dann die nächsten 6 Wochen bleiben. Es gibt auch einen deutschen Arzt in der Notaufnahme, P., er kommt aus Freiburg und wohnt schon seit elf Jahren in Spanien. Ein polnischer Patient kommt zu uns, weil er so gut wie nichts mehr hören kann. P. schaut in seine Ohren und es stellt sich heraus, dass er einen Ohrenschmalzpfropfen hat, der vor seinem Trommelfell liegt und es gegen jeglichen Schall abdämmt. P. erklärt mir, dass so etwas vor allem bei Menschen mit sehr schmalem Gehörgang im Sommer vorkommt, wenn sie viel ins Schwimmbad oder an den Strand gehen und das nasse Ohrenschmalz danach von der Hitze getrocknet wird. Da der HNO-Arzt im Urlaub ist, holt P. eine große metallene Spritze aus einem der vielen Schränke, füllt sie mit warmen Wasser und spült dem Patienten die Ohren aus, bis der Pfropfen sich auflöst und herauskommt. Medizin kann auch einfach sein.
12.9.14 20:45


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Erster Tag im spanischen Krankenhaus

Ich stehe vor dem kleinen Krankenhaus in der spanischen Provinz Valencia. Krankenpflegepraktikum in Spanien. Nun ist es also so weit. Ich schaue auf meine Uhr. Zwanzig vor acht. Ich bin etwas früh. Ich nehme allen meinen Mut zusammen und trete durch die Schiebetür in die Eingangshalle. Ich bleibe einen Moment stehen, um mich zu orientieren. Es riecht nicht nach Krankenhaus! Rechts die Rezeption, geradeaus der Fahrstuhl und in der Mitte ein paar Sitzgelegenheiten. Eine Wand wurde mit bunten LED-Leuchten ausgestattet, die ständig die Farbe wechseln. Es konnte genausogut die Eingangshalle zu einem Hotel sein, wären da nicht die Menschen in weißen Kitteln, die ab und zu durch die Halle huschen. Ärzte! Ich scheine hier richtig zu sein. Ich gehe zur Rezeption und frage nach der Oberschwester. Die Rezeptionistin sagt mir, dass ich mich hinsetzen soll, sie würde der Schwester dann Bescheid sagen. Ich setze mich auf eine der Sitzgelegenheiten und nehme das Krankenhaus weiter in Augenschein. Nach dem, was man so aus der Schillingallee gewohnt ist, die reinste Augenweide. In der Ecke neben der Schiebetür steht ein Automat, aus dem man Blumen, Plüschtiere und Pralinenschachteln ziehen kann. Mich als Patienten wurde ein Teddy aus dem Automaten nicht besonders glücklich machen. Irgendwie tut er mir Leid, wie er da so lächelnd hinter seiner Glasscheibe sitzt. Eine Frau kommt auf mich zu. „Lea?“ Ich stehe auf und will ihr die Hand geben. „Ja, das bin ich.“, sage ich, während sie sich auf die Zehenspitzen stellt, um mir ein Küsschen links und rechts auf die Wange zu geben. Ach ja, Spanien. Das hatte ich ganz vergessen. Wir gehen zum Fahrstuhl, sie fragt mich, ob ich auch meine Arbeitskleidung und mein Identifikationskärtchen mitgebracht hätte. Ja, natürlich habe ich an alles gedacht. Wir fahren in die dritte Etage, wo es im Schwesternzimmer einen Spind gibt, in dem ich meine Sachen lassen kann. Ich ziehe mich also um, und wir fahren zwei Etagen nach unten. Die ersten drei Wochen werde ich in der ersten Etage Praktikum machen. Innere Medizin, Onkologie und Kardiologie sind hier untergebracht. Wir kommen in der ersten Etage an und die Oberschwester stellt mich den beiden Diensthabenden Schwestern vor. Dass ich eine Medizinstudentin aus Deutschland bin, hier aber ein Krankenpflegepraktikum mache, ja, in Deutschland mache man das so, vor der Famulatur ein Krankenpflegepraktikum. Sie sind überrascht, dass das so ist, sagen dann aber, dass sie es gut finden, die zukünftigen Ärzte sollten auch mal erleben, was man als Schwester so erlebt. Um acht ist es Zeit für den ersten Rundgang (es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Rundgang, denn die Station ist kreisförmig). Wir gehen zu jedem Patienten ins Zimmer und kontrollieren das Datum der Kanüle (die müssen alle vier Tage gewechselt werden) und den Sauerstoff. Viele Patienten bekommen Clexane, welches die Schwester in den Bauch spritzt. Ich gucke gebannt zu, schließlich habe ich noch nie gesehen, wie jemanden eine Spritze gegeben wird. Die Schwester nimmt eine Bauchfettfalte zwischen ihre Finger, steckt dann die Spritze rein und drückt ab. Sieht gar nicht so schwer aus. Wenn an die Kanüle des Patienten keine Infusion angeschlossen ist, wird mit einer Kochsalzspritze geprüft, ob sie noch durchgängig ist. So geht es Zimmer um Zimmer. Viele der Patienten sind Ausländer. Ein Arzt erklärt mir später die Häufigkeitsverteilung der Patienten hier im Krankenhaus: Holländer, Belgier, Spanier, Engländer und Deutsche. Eine Norwegerin, eine Russin und eine Französin habe ich auch schon gesehen. Meine kühnsten Träume werden war, als die Schwester mir eine Spritze in die Hand drückt und sagt: „Das ist eine Clexane-Spritze, gegen Thrombose. Die sticht man in den Bauch, das hat du ja schon bei mir gesehen.“ Andächtig hole ich einen Tupfer aus der Schublade, besprühe in mit etwas Desinfektionsmittel und greife nach der Spritze. Wir gehen zum Patienten ins Zimmer, der in seinem Bett liegt. Während sich die Schwester mit ihm unterhält und ihn fragt wie es ihm geht. Dann fordert sie ihn auf, sich das Patientenhemd hochzuziehen, damit ich ihm die Spritze geben kann. Da habe ich ihn also vor mir, diesen Bauch, in den ich nun eine Nadel stecken soll. Ich greife einen Hautwulst und stecke zögerlich die Nadel hinein. Na hoffentlich tut das nicht weh! Schnell drücke ich das Medikament aus der Spritze und ziehe die Nadel wieder raus. Mist, wo ist denn jetzt der sorgfältig vorbereitete Tupfer hin? Den hab ich auf dem Tisch liegen lassen. Ich greife danach und drücke ihn auf den Bauch des Patienten, irgendwo, denn wo das Einstichloch war, habe ich vergessen. Dass es einen besonders großen desinfektiösen Effekt hat, bezweifle ich stark, aber egal. Ich ziehe den Tupfer zurück, lächle den Patienten an und fühle mich schon fast wie ein richtiger Arzt. Ein paar Zimmer weiter passiert noch etwas Großartiges: eine Kanüle muss gewechselt werden! Die Schwester holt einen Haufen Zeug aus dem Wagen und nimmt ihn mit ins Zimmer. Die aktuelle Kanüle befindet sich am rechten Arm, also kommt die neue an den linken. Zuerst staut sie das Blut, dann muss der Patient eine Faust machen. Jetzt sucht sie eine Vene. Anscheinend hat sie eine gefunden, die ihr gefällt. Sie drückt prüfend mit den Fingerkuppen auf ihr herum und nickt dann. Nun wird der Arm desinfiziert. Sie zieht sich sterile Handschuhe an, während ich die anderen Utensilien auspacke. Als erstes nimmt sie eine rosafarbene Nadel in die Hand und steckt sie mit spielender Leichtigkeit in die Vene des Patienten. Natürlich trifft sie beim ersten Versuch. Um die stählerne Nadel herum befindet sich die eigentliche Kanüle aus Plastik, die sie jetzt mit ihrem Zeigefinger in die Vene schiebt. Dann drück sie auf einen weißen Knopf im Griff, und die Nadel schnappt zurück. Die Kappe füllt sich mit Blut. Sie löst das Gummiband vom Arm des Patienten und drückt dann mit einer Hand auf die Flexülenvene, damit kein Blut rauskommt. Mit der anderen Hand nimmt sie eine mit NaCl gefüllte Spritze, auf die sie zuvor eine blaue Kappe gesteckt hatte, und schraubt beides in die Kanüle. Jetzt wird die Vene durchgespült, und es klappt alles ganz fantastisch, die Flüssigkeit kann ungehindert in die Vene fließen, ohne dass das Gewebe um die Flexülenspitze dick wird – dann hätte sie neben die Vene gestochen. Es wird nur die Spitze abgenommen, die blaue Kappe bleibt auf der Kanüle stecken. Sie bittet mich, ihr den kleinen Klebestreifen vom Klebepack zu geben, mit welchem sie zunächst die blaue Kappe am Arm des Patienten festklebt, um danach den ganzen Zugang mit einem großen, runden Pflaster zu bedecken, das in der Mitte ein Loch hat, damit man die Einstichstelle sehen kann. Obendrauf kommt noch ein langer Klebestreifen, und das Werk ist vollbracht! Es kommt mir unglaublich kompliziert vor, was sie da gemacht hat. Diese ganzen Arbeitsschritte! Sie schraubt die Infusion an die Kanüle und wir verlassen das Zimmer des Patienten. Die Station hat 22 Zimmer mit 44 Betten, es gibt aber viele Patienten, deren Versicherung ihnen das Recht auf ein Einzelzimmer gibt, so dass sich meist zwischen 20 und 30 Patienten auf der Station aufhalten. Wir beenden unsere Runde mit dem Zimmer, das sich direkt gegenüber vom Schwesternzimmer befindet. In dem Zimmer liegt ein alter holländischer Patient, der jedem von uns eine Packung mit sechs eingeschweißten, zuckerfreien, holländischen Kaugummis schenkt, bevor wir das Zimmer verlassen dürfen. Dazu sagt er: „Every Dias!“ – jeden Tag, und meint damit, dass er uns jeden Tag eine Packung Kaugummi schenken wird, was auch den Rest seines Aufenthaltes im Krankenhaus der Fall ist. Er sagt es aber so, dass es klingt wie „Every Dios!“ – „Alle Götter!“ Er schenkt jedem den Kaugummi, den Putzfrauen, den Pflegehelferinnen, den Krankenschwestern, den Ärzten, an einem Tag habe ich es bis auf vier Pakete gebracht. Wir alle fragten uns, wo er so viele Kaugummis her hatte. Nach dem Rundgang nahm die Schwester die Tabelle mit den Daten, die wir währenddessen gesammelt hatten, und fing an, sie in den Computer einzugeben. Ich hatte nichts mehr zu tun und saß herum, bis es um zwölf Zeit für die nächste Runde war. Jetzt wurde Blutzucker gemessen und ich durfte die Patienten pieksen. Danach erklärte sie mir die Formel, nach der das zu spritzende Insulin berechnet wurde. 150 minus den Zuckerwert des Patienten geteilt durch 10, so viele Einheiten Insulin zog ich dann in die Spritze auf, ging zurück zu den Patienten ins Zimmer und gab ihnen das Insulin, diesmal in den Arm. Nachdem diese Runde beendet war, wurden die Medikamente und Infusionen für die Spätschicht vorbereitet. Glukoselösung, Kochsalzlösung, Glukose-Kochsalzlösung, 500 ml, 1000 ml, das alles musste mit Uhrzeit und Zimmernummer beschriftet werden, in manche Infusionen kamen noch zusätzliche Elektrolyte oder Medikamente, die dann zuerst auf eine Spritze aufgezogen und danach in den Plastikbeutel gespritzt wurden. Am besten fand ich die Medikamente in den kleinen Glasfläschchen, bei denen man gegen den Deckel schnipsen musste, bis er abbrach, um die Flasche zu öffnen. Am Ende meines ersten Tages ging ich sehr zufrieden nach Hause, ich hatte viel gelernt und gesehen und freute mich darauf, morgen wiederzukommen.
12.9.14 20:39


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