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Notaufnahme Tag 7

Heute ist Kindertag! Morgens um neun, ich bin gerade dabei die Konstanten von einem Patienten in Box 3 zu messen, höre ich ein mordsmäßiges Schreien vom anderen Ende der Notaufnahme. Nanu, was ist denn da los? In Box 1 liegt ein kleiner Junge mit einem Schnitt auf der Stirn. Dr. P. begutachtet die Wunde, während zwei Krankenschwestern und die Mutter des Jungen vergeblich versuchen, ihn vom ärztlichen Treiben abzulenken. Der Junge protestiert jedes Mal, wenn die behandschuhten Hände sich seinem Gesicht nähern und macht alle Anwesenden darauf aufmerksam, dass er unter gar keinen Umständen von einer Nadel gestochen werden will. Es kommt wie es kommen muss: es muss genäht werden. Die Krankenschwester F. holt sich Unterstützung vom Krankenpfleger A. und gemeinsam fangen sie an, den Jungen unter gutem Zureden fürs Nähen vorzubereiten. Er ist alles andere als begeistert von der Idee, sich ein blaues Tuch über Gesicht legen zu lassen, das nur seine Wunde freilässt. Krankenpfleger A. hält seinen Kopf fest, während seine Mutter das Tuch gerade so weit hochhebt, dass der Kleine sie sehen kann. Jetzt macht sich Krankenschwester A. ans anästhesieren: zuerst lässt sie ein bisschen Lokalanästhetikum ohne zu stechen auf die Wunde fallen, danach sticht sie unter die Haut und spritzt den Rest. Jetzt fängt der Junge an zu schreien. Aber so richtig! Er schreit so laut und doll und lange wie er kann. Und er kann lange schreien! Zum Glück kommt in diesem Moment sein Vater an und kann ihm die andere Hand halten. Der Junge schreit zwar, aber er hält still, auch als F. jetzt anfängt zu nähen. Er braucht drei Punkte, danach wird die Wunde saubergemacht und dann kann er mit seinen Eltern nach Hause gehen. Auf dem Nachhauseweg kaufen sie ihm bestimmt das riesige Eis, was sie ihm vorher versprochen hatten. So gegen eins kommt noch ein Kind. Dieses hat sich die Lippe aufgeschlagen, ist norwegisch und ihm fehlt ein Unterarm. Nach dem Ellenbogen hört der Arm auf, es sind noch kleine Fingerstummel angelegt. Wenn ich vorher dachte, dass es schwierig sei, ein Kind an der Stirn zu nähen, das wie am Spieß schreit, dann nur, weil ich noch nicht wusste, wie schwierig es sein würde, ein Kind an der Lippe zu nähen, das wie am Spieß schreit und währenddessen logischerweise den Mund bewegt, mit aller Kraft wegzulaufen versucht, so dass ich es an den Knien, der Krankenpfleger es am Kopf und seine beiden Eltern es an den Schultern festhalten müssen und das kein Wort von dem versteht was du ihm sagst, so dass du nicht mal beruhigend auf es einreden kannst. Ich weiß nicht wie F. es geschafft hat, diese Lippe zu nähen, aber sie hat es gemacht. Und ich weiß nicht für wen es schlimmer war: für den Jungen oder für seine Mutter, die ganz furchtbar anfangen musste zu weinen. Sobald der letzte Faden abgeschnitten wurde, nimmt sie ihren Sohn auf dem Arm. Aber auch diese Eltern gehen mit ihrem Kind wieder nach Hause und verbringen den Rest ihrer Ferien hoffentlich am Strand und nicht im Krankenhaus.
17.9.14 20:41
 
Letzte Einträge: Notaufnahme Tag 2, Notaufnahme Tag 3, Notaufnahme Tag 4, Notaufnahme Tag 5, Dr. F


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